© Presseamt Stadt Bonn, Michael Sondermann

Deutscher Bundestag und Bundesrat

Ein Bundeshaus in aller Bescheidenheit


Karl Sigmund Mayr, vom Bayerischen Landtag in den Parlamentarischen Rat entsandt, war zufrieden, als sich die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder im August 1948 telefonisch darauf verständigten, das verfassunggebende Gremium in Bonn zusammentreten zu lassen. Da könne man, fand der CSU-Parlamentarier, "in Ruhe seine Arbeit verrichten". Diese Arbeit – am neuen Grundgesetz! – nahmen die 77 Ratsmitglieder am 1. September 1948 in der Pädagogischen Akademie auf. Diese wurde Anfang der 30er Jahre im Bauhausstil errichtet. Auch als Architekt Hans Schwippert das Gebäude zum Bundeshaus samt Plenarsaal und Bürotrakt umgestaltet hatte, ging es bescheiden zu: „Selbst die engen Parlamentarierbänke“, urteilt das Haus der Geschichte, „passten zu einem Deutschland, das die Demokratie erst noch lernen musste.“ Hier konstituierten sich am 7. September 1949 Bundesrat und Bundestag.


Mit den Bauarbeiten hatte man im Februar 1949 begonnen, ohne dass zu diesem Zeitpunkt sicher war, dass Bonn auch wirklich Bundeshauptstadt würde. „Bonn und das Land Nordrhein-Westfalen“, schreiben die Bundestags-Historiker, „hofften auf die Macht des Faktischen.“ Mit Erfolg: Dem Akademiegebäude wurde bald ein fünfgeschossiger Bau für den Bundesrat zur Seite gestellt, der heute der Ländervertretung als Bonner Außenstelle dient und das „Informationszentrum Föderalismus“ beherbergt. Den Plenarsaal verlängerte man 1953 um sechs Meter zum Rhein hin, er blieb aber trotz zusätzlicher Tribünen und Wandelgänge reichlich beengt, und so tagte der Deutsche Bundestag am 9. September 1986 erstmals im ehemaligen "Wasserwerk".


Bereits Mitte der 60er Jahre war die Idee gereift, Abgeordnetenbüros und Sitzungssäle in einem Hochhaus unterzubringen. Das 31-stöckige Gebäude, dem der Volksmund in Würdigung des Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier den Namen "Langer Eugen" gab, blieb bis zum Umzug nach Berlin ein Mittelpunkt des politischen Lebens. Am 20. Juni 1991, über ein Jahr bevor das Parlament einen neuen Plenarsaal im "Behnisch-Bau" beziehen sollte, entschied sich der Deutsche Bundestag für den Umzug vom Rhein an die Spree. Nach der letzten Bonner Sitzung des Bundestags am 1. Juli 1999 wurde der Plenarsaal zum heutigen World Conference Center Bonn. Der „Lange Eugen“ bildet seit 2006 das Herzstück des UN Campus.




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(Fotonachweis(e): Presseamt der Bundesstadt Bonn)

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(Fotonachweis(e): Presseamt der Bundesstadt Bonn)

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(Fotonachweis(e): Presseamt der Bundesstadt Bonn)

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