© Ute Prang, Rhein-Erft-Kreis

Plastik "Bartmannkrug"

Plastik „Bartmannkrug“ von Manfred Zimmermann und Manfred Holz (2001)

Seinen Namen verdankt der Bartmannkrug der Verzierung am Gefäßhals in Form eines bärtigen männlichen Gesichts. Bartmasken als Schmuckelement wurden hauptsächlich in Frechen und Köln in der Zeit zwischen dem frühen 16. und dem 18. Jahrhundert in sehr großer Vielfalt hergestellt. Auf dem Markt in der großen Handelsstadt Köln konnten die Bartmannkrüge gut verkauft und über Amsterdam auf Schiffen in die ganze Welt transportiert werden. So findet man Frechener Steinzeug unter anderem in Nord- und Südamerika, Afrika, China und Australien. In England war insbesondere die durch die Salzglasur mit einem einzigartigen Fleckenmuster bedeckte „tiger ware“ – „getigerte Ware“ – beliebt.

Die Bartmannkrüge wurden neben anderen Steinzeugerzeugnissen und der Irdenware in Frechen aufgrund geeigneter Tonvorkommen und großer Waldbestände in ungeheuren Mengen hergestellt. Man spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer vorindustriellen Massenproduktion. In der Blütezeit des Frechener Töpferhandwerks waren bis zu 50 Töpferbetriebe gleichzeitig tätig, so dass Frechen sich zu einem der wichtigsten Töpferorte des Rheinlandes entwickelte.

Die Herkunft des bärtigen Gesichts als Schmuckmotiv ist nicht genau bekannt. Interpretationsversuche erklären es etwa als Darstellung von Gottvater, Jesus Christus, dem Töpfermeister selbst, dem Auftraggeber oder dem Zecher im Wirtshaus. Im Laufe der Zeit veränderten sich die Krugform und einzelne Details der Verzierung. In der Renaissance wurden die Bartmannkrüge als birnförmige, kugelige Gefäße mit profiliertem Fuß und weitem Hals gefertigt. Im Zeitalter des Barock dagegen waren sie mit einer flachen Standfläche und einem engeren Hals ausgestattet. Die barocken Bartmannkrüge wurden zusätzlich häufig mit Wappenauflagen und floralen Dekoren geschmückt. Die Gesichtsmasken, die zunächst stärker realistisch gearbeitet waren, bekamen mit der Zeit immer abstraktere und schließlich fratzenartige Züge.

Als Wahrzeichen der Stadt erscheint der Bartmannkrug auch auf dem Frechener Wappen, das 1928 vom Preußischen Staatsministerium genehmigt wurde. Der Jülicher Löwe präsentiert das weltberühmte Gefäß in seinen Pranken. Der Entwurf stammt von dem Heraldiker Arnold Steiger aus Köln. Er nahm als Ausgangspunkt das Wappen der Herzöge von Jülich, die viele Jahrhunderte hindurch die Landesherren für den größten Teil des Gemeindegebietes waren, und verband es mit dem Zeichen alter Frechener Handwerkskunst, dem Bartmannkrug. Als die Gemeinde Frechen am 2. September 1951 zur Stadt erhoben wurde, hat man das Wappen beibehalten.

Der wohl größte Bartmannkrug der Welt entstand anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Stadt Frechen. Das Kunstwerk wurde von dem Frechener Töpfer Manfred Zimmermann in Zusammenarbeit mit dem Frechener Bildhauer Manfred Holz aus einem rohen Steinzeugrohr geformt. Die Arbeitszeit betrug 65 Stunden. Im Anschluss wurde der Riesenkrug fünf Tage lang im Ofen der „STEINZEUG Abwassersysteme GmbH“ gebrannt. Dabei ist er um elf Zentimeter geschrumpft und misst nun eine Höhe von 2,39 Metern. Um Frostschäden zu vermeiden, hat man bei diesem Bartmannkrug auf den Boden verzichtet.

Dies ist der 7. Punkt auf dem Keramikweg in Frechen.

Bartmannkrug

Bartmannkrug

(Fotonachweis(e): Stiftung KERAMION)

Adresse

Hauptstraße

50226 Frechen